Das isser, Euer Taktiker. Schnuckeliges Kerlchen, was?
 
 
Am 30.9.2360 erblickte Gino Agello auf der Erde als Zweites von 7 Geschwistern das Licht der Welt. Nach seinem älteren Bruder und ihm sollten später noch 2 Schwestern und 3 weitere Brüder folgen. Im kleinen Örtchen Casalpusterlengo im schönen Italien wuchs Gino inmitten von Feldern und Wiesen auf. Er bekam sogar noch echte Tiere zu sehen.
 
Wie es bei Kindern so ist, man träumte schon früh von den Sternen, kleine Wäldchen wurden zu geheimnisvollen Wolken oder Nebeln, Wassergräben zu Raumanomalien, Kinder zu Raumschiffen und Steine zu Photonentorpedos. Ruhmreiche Raumschlachten endeten oft mit Löchern in Köpfen – selten in Ginos Kopf – und einer Standpauke der Eltern. Bereits in dieser Zeit entwickelte klein Gino taktisches Geschick und hin und wieder gelang es ihm sogar, ein weit überlegenes Schiff durch gezielten Beschuss in eine Raumanomalie zu drängen. Unglücklicherweise konnten sich alle diese Raumschiffe wieder aus der Anomalie befreien und da die USS Agello recht unterbewaffnet war, empfahl es sich anschließend, eine hohe Fluchtgeschwindigkeit zu erreichen und gewagte Ausweichmanöver zu entwickeln.
 
Das hieß allerdings nicht, daß es sich bei dem späteren T/S Offizier der Taliesin um einen wehrlosen kleinen Feigling handelte, dafür sorgten schon allein die Geschwister und unzählige Cousins, unter denen immer wieder mal kleine Veränderungen in der Rudelposition auszukämpfen waren. Im oberen Drittel konnte er sich da meistens durchaus behaupten. 
 
Hin und wieder begleitete Gino auch seinen Vater und einige Mitglieder der Familie in die Show der Flying Agellos. Dort erlernte er aus Neugier einige Tricks und Kniffe bei der unauffälligen, unautorisierten Eigentumsübertragung, wobei er sich aber nie an diesem Teil der Show beteiligte. Es war einfach faszinierend, zu sehen, wie sich der Vater und später auch der ältere Bruder aus einer martialisch anmutenden Kanone mit einem lauten Knall und viel Rauch in ein weit entferntes Fangnetz schießen ließen.
 
Besonderes Interesse erweckten bei Gino immer wieder die Leute, die die Agellokinder dabei erwischten, wie sie ihr Hab und Gut an sich nahmen – Sternenflottenoffiziere. Sehr schnell stand fest, das er irgendwann diese Uniform tragen wollte. Immer wieder fand man ihn unauffällig in der Nähe einer Gruppe Fleetpersonal stehen und fasziniert den Unterhaltungen lauschen.
 
Zum 5. Geburtstag schenkte Tante Marietta, eine Musiklehrerin, Gino eine Kindergeige. Es war die Geburtsstunde eines Hobbys, das Gino bis heute erhalten bleiben sollte. Er verliebte sich augenblicklich in das Instrument, erlernte rasch die Grundzüge und verbrachte von da an viel Zeit mit der Musik. Als Tante Mariettas Hilfe beim lernen nicht mehr nötig war, suchte Gino sich seinen Lieblingsplatz auf einer Deichkrone des großen Stromes. Mit den Jahren wuchs neben den Geigen auch das Repertoire der Stücke, die er auswendig spielen konnte. Es erfüllte Marietta nicht wenig mit Stolz, als Gino ihr irgendwann als Dankeschön für dieses Hobby ein privates Konzert mit einer interplanetaren Musikauswahl gab.
 
Es kam den Eltern gelegen, das Gino ihnen immer wieder bei Tisch vorschwärmte, wie toll die Sternenflotte war und wie gern er dazugehören würde. Dadurch konnten sie eine gute Motivation bieten, die in den ersten beiden Jahren schwachen schulischen Leistungen drastisch zu verbessern. Ein Onkel, der im Flottenhauptquartier arbeitete, unterstützte die Bemühungen von Gino und später auch die seiner Schwester, alles zu lernen, was man für die Aufnahmeprüfung der Akademie benötigte, sowie auch alle öffentlich zugänglichen Informationen aufzuspüren und zu verinnerlichen, die irgendwie greifbar waren.
 
Wann immer es Gianna und Gino möglich war, reisten die beiden mit dem Transporter zum Mond und trieben sich dort mit Vorliebe in den Bereichen mit der natürlichen Mondschwerkraft herum oder lauschten in den Raumbars Gesprächen über Dinge, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht wurden. Es wurde später zu einer Art Wettkampf zwischen Bruder und Schwester, aktueller auf dem Laufenden zu sein.
 
Als Gino ins passende Alter kam, konnte seine Schwester bei diesem Wettkampf öfter als zuvor einen Vorsprung für sich verbuchen. Frauen beanspruchten einen Teil seiner Aufmerksamkeit. Glücklicherweise hatte er von seinen Brüdern und Cousins genug über menschliches Balzverhalten gelernt, ansonsten hätte er es mangels Körpergröße später nicht zur Sternenflotte geschafft. Es waren wirklich ein paar erinnerungswürdige Tage mit Joana, die hinterher aus Versehen ein paar Zahlen im Aufnahmeantrag verdrehte, womit Gino dann wundersam über Nacht von 1,67 m auf 1,76 m wuchs.
 
Obwohl die Zeit auf der Akademie hart war, war sie Gino viel zu kurz. Wahrscheinlich gab es nirgendwo in der Galaxis mehr Bella Signorinas, als dort. In den ersten beiden Jahren absolvierte er die allgemeine Ausbildung, die jede Menge allgemeinbildende Fächer umfasste, Physical Fitness und alle Arbeitsbereiche auf einem Raumschiff in den Grundzügen. Danach engte er die intensivere Ausbildung für 1 Jahr auf die Bereiche CONN, OPS und T/S ein, bis dann zur wirklichen Spezialisierung im 4. Jahr sein jetziger Arbeitsbereich übrig blieb.
 
Als Gino mit 22 Jahren die Akademie verließ bekam er seinen ersten Posten auf einem kleinen Patrouillenschiff der Föderation an der friedlichen Grenze zu nirgendwo. Mit jugendlichem Eifer stürzte er sich auf seine Arbeit, was jedoch bei seinem kommandierenden Offizier nicht auf Gegenliebe stieß. Offenbar wurde Gino von seinem dortigen Posten weggelobt, denn als er 1 Jahr später seine Versetzung beantragte, bekam er den Posten des leitenden T/S Offiziers an Bord des Flaggschiffes der 1. Flotte, der USS Taliesin, obwohl er über keinerlei Kampferfahrung verfügte und sich noch nicht mal in einem ernsthaften Einsatz bewähren musste.